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Sascha Erni

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Ein Hammer ist ein Hammer ist ein Hammer

Kolumne: Von einem Schriftsteller, der auszog, als Texter zu arbeiten …

Heute wird's etwas nüchterner als sonst. Denn: Wenn sich jemand für den Beruf des (freischaffenden) Texters interessiert, sollte diese Person auch eine Ahnung haben, was so in Sachen Investitionen anfallen wird. Denn natürlich braucht auch ein Texter Handwerkszeug.

 

Werkzeuge für Texter? Was gibt es da denn zu besprechen? Ist doch klar!

 

Eigentlich ist es doch logisch, was man so als Texter braucht, oder? Einen Computer, WORD, einen Drucker, fertig.

Und ein Zimmermann arbeitet nur mit dem Hammer. Klar.

Selbstverständlich, Computer und Drucker braucht man zwingend. Nicht unbedingt die allerneusten Modelle, man faltet ja keine Genome oder visualisiert die Weltwirtschaftskrise. Aber WORD ist zumindest auf einem Mac nicht wirklich notwendig. Wir wissen ja schon, was ein Texter seinem Auftraggeber überreicht. Für solche Manuskripte (selbst die für „Anspruchsvolle Kunden“) braucht man nicht notgedrungen das teure Microsoft Office. Teuer? Ja – denn wenn man Geld damit verdient, kommt man um die Kommerz-Vollversion nicht herum. Und die kostet in der kleinsten Variante, „Small Business“, schon mindestens € 290. Viel Kohle für einen Frischling!

Also kann es sich lohnen, sich auch einmal die Alternativen anzusehen. Hauptsache, man kann einen Text, vielleicht auch mal mit einer Tabelle, sauber formatieren – und bequem damit arbeiten. Entsprechend wäre es klug, sich auch mit anderen Textverarbeitungen zu beschäftigen. Vielleicht wird es dann trotzdem WORD werden, einfach, weil man die letzten zehn Jahre im Büro damit gearbeitet hat und sich mit WORDs Macken abgefunden hat. Aber ausprobieren sollte man die Alternativen wie z. B. OpenOffice.org, schon rein aus finanziellen Überlegungen.

Überhaupt, OpenOffice. Damit funktioniert auch „Änderungen verfolgen“ und die Kommentarfunktion von WORD. Wenn man also – selten einmal – einen Kunden hat, der so seine Änderungswünsche einträgt, kann man auch als Nicht-WORD-Benutzer ruhig schlafen. Und etwaige Powerpoint-Folien, die der Kunde als Quellmaterial anliefert, werden damit auch angezeigt. Und da OpenOffice kostenlos ist, hat man genug Geld auf der hohen Kante, um es ins wichtigste Werkzeug zu investieren. Siehe am Ende dieses Artikels.

Kurz gesagt: Wählt die Textumgebung aus, mit der Ihr am besten arbeiten könnt. Hauptsache, man schickt schlußendlich dem Kunden ein .doc oder .rtf oder .pdf zu.

Ja, PDF. Sollte man immer für die finalen Texte einsetzen, mindestens als Beigabe. Mac OS X bringt die PDF-Erstellung gleich mit, Office 2007 für Windows kann’s auch, OpenOffice sowieso. Wer mit Office 2003 oder älter arbeiten möchte, kommt entweder um einen kostenlosen PDF-Writer oder gar Acrobat Distiller nicht herum. Das gesamte Acrobat-Paket braucht man als Texter jedoch nicht. Eigentlich reichen der kostenlose Adobe Reader (wieder: für angeliefertes Quellmaterial) und irgend ein PDF-Writer aus.

Wenn man sich aufs Internet spezialisiert hat, muß man als Texter damit rechnen, daß man auch einmal etwas direkt ins Netz stellen muß. Entsprechend braucht man einen Standard-konformen Web-Browser, der mit möglichst vielen Content-Management-Systemen zusammenarbeitet. Ich mach’s kurz – nehmt dafür Firefox. Ganz selten einmal kommt man an ein Uralt-CMS, das nur mit dem Internet-Explorer funktioniert. Das ist dann Pech. Aber solche Systeme sterben zum Glück langsam aus. „Survival of the Fittest“ und so.

Dann braucht man natürlich auch ein vernünftiges E-Mail-Programm. Outlook Express gehört nicht in diese Kategorie, kann z. B. nur holprig mit digitalen Signaturen umgehen, die manche etwas paranoidere Kunden voraussetzen. Wenn’s gratis bleiben soll, nimmt man Thunderbird oder Apple Mail. Wer eh schon Office gekauft hat, darf auch gerne Outlook – ohne „Express“ – oder Entourage einsetzen.

Aufs Telephon gehe ich jetzt nicht weiter ein. Das dürfte ersichtlich sein. Aber wenn Ihr am Wochenende Eure Ruhe wollt, besorgt Euch eine Zweitnummer, die nur zu „Bürozeiten“ klingelt. Nur so als Tip.

Was oft vergessen wird: Nachschlagewerke bereitstellen! Ich empfehle, sich im Antiquariat einen Duden der alten Rechtschreibung zu besorgen, zusätzlich zu einem aktuellen Wörterbuch. Dann ist man flexibler, denn man kann nie wissen, ob nicht einmal ein Kunde auf der alten Rechtschreibung besteht. Die ist faktisch nur für Behörden und öffentliche Einrichtungen wie Schulen „verboten“; in der Privatwirtschaft gilt sie zwar als veraltet, aber nicht immer als „falsch“. Und wie bereits an anderer Stelle erwähnt, bestimmt der Kunde Stil, Tonalität und Form der gelieferten Texte. Augen zu und durch.

Das wichtigste Handwerkszeug habe ich mir für den Schluß aufgespart: Die Genußmittel. Je nach Gusto und Suchtverhalten sollte man darauf achten, daß immer genügend Kaffee, Tee, Schokolade oder Zigaretten im Haus sind. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man als Raucher fünf Stunden an einem Text sitzt, ohne daß man mal eine Zigarettenpause machen kann. Weil man sich die Kippen dank Microsoft Office nicht mehr leisten konnte. Dann kann auch die perfekte Textverarbeitung, der schnellste Computer und der Duden von 1937 nichts mehr rausreißen.

 
 

Dieser Artikel erschien erstmalig am 17. Oktober 2008 im Forum der Schreibszene Schweiz. Sie können im Forum einen Kommentar hinterlassen.

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